Lahmheiten erkennen

Ein Thema, dass man am liebsten verdrängen möchte. Leider gehören Lahmheiten zum Pferdealltag und müssen ernst genommen werden. Zumal Pferde Flucht- und Beutetiere sind, die Schmerzen und Krankheiten naturgemäß unterdrücken und erst dann zeigen, wenn sie nicht mehr zu verbergen sind.
In diesem Artikel geht es ausschließlich darum, beginnende Lahmheiten rechtzeitig zu erkennen, um Folgeschäden und Komplikationen möglichst zu vermeiden. Für die genaue Diagnose und die sich daraus ergebende Therapie ist der Tierarzt zuständig!



Ursachen und Merkmale

Lahmheiten können mehrere Ursachen haben. Unterschieden wird zwischen: Neurologisch bedingte Lahmheiten sind eher selten und mechanische Lahmheiten müssen nicht unbedingt mit Schmerzen verbunden sein. Es sind häufig Bewegungsstörungen, hervorgerufen durch Fehlstellungen oder Versteifungen der Gliedmaße. Lahmheiten durch Sauerstoffmangel sind relativ schnell am Leistungsabfall und an einer stark erhöhten Atemfrequenz des Pferdes auszumachen. Die meisten Lahmheiten sind jedoch schmerzbedingt.

Die häufigsten Ursachen sind: Lahmheiten treten überwiegend an den Vorderbeinen auf, weil sie die größere Last tragen (~ 65 % des Körpergewichts). Die Ursache liegt zu über 90 % unterhalb des Vorderfußwurzelgelenks. Bei den Hinterbeinen liegt die Ursache zu 80 % unterhalb der Knie- bzw. Sprunggelenke.


Die Stützbein- und Hangbeinlahmheit

Beide Lahmheitsformen sind für die weitere Diagnose entscheidend. Seltener und komplizierter ist eine gemischte Lahmheit, bei der beide Formen gleichzeitig auftreten oder bei der mehr als ein Bein betroffen ist.

Die Stützbeinlahmheit ist die häufigste Variante. Der Schmerz tritt in der Belastungsphase des erkrankten Beines auf. Das Pferd stützt sich daher nur kurz auf das schmerzende Bein und lässt sich möglichst schnell zurück auf das gesunde Bein fallen. Der sich daraus ergebende Taktfehler (kurz-lang) ist meist schon bei einem geringen Schweregrad zu erkennen. Einen noch deutlicheren Hinweis liefert das Kopfnicken bei einer Vorderbeinlahmheit. Beim Auffußen mit dem schmerzenden Bein hebt das Pferd den Kopf, um das Bein zu entlasten. Beim Auffußen des gesunden Beins lässt es den Kopf fallen. Es entsteht der Eindruck, als ob das Pferd sich auf sein gesundes Bein fallen lässt! Oft wird dieser Moment nicht richtig gedeutet und führt zu einer falschen Diagnose. (Das gesunde Bein wird mit dem kranken verwechselt.)
Bei den Hinterbeinen gelten die gleichen Überlegungen. Das Pferd versucht, das kranke Bein zu entlasten, indem es die Stützbeinphase verkürzt und das Gewicht auf das gesunde Bein verlagert. Die Gewichtsverlagerung auf das gesunde Bein wird durch ein Absenken der Kruppe sichtbar. Dagegen wird die Kruppe über dem kranken Bein angehoben. Bei ausgeprägten Lahmheiten kommt es im Trab zu einem regelrechten "Beckenhüpfen". Stützbeinlahmheiten lassen sich auf hartem Untergrund besonders gut erkennen.

Bei der Hangbeinlahmheit tritt der Schmerz während der Schwebephase des erkrankten Beins auf. Meist sind Probleme im oberen Beinbereich die Ursache (Muskeln, Sehnen, Nerven). Das betroffene Bein wird oft kürzer und zögerlich nach vorne gesetzt. Der Huf wird vielfach nach vorn geschleift und hängen gelassen. Aber auch der umgekehrte Fall ist möglich. Das Pferd hebt das Bein ungewöhnlich hoch oder schwingt es auffällig nach außen, ähnlich wie beim Hahnentritt. Sowohl bei einer Stützbein-, als auch bei einer Hangbeinlahmheit versucht das Pferd sich auf sein gesundes Bein fallen zu lassen. Eine Unterscheidung zwischen beiden Lahmheiten ist daher nicht immer einfach.

Zur weiteren und genaueren Eingrenzung der Diagnose haben sich folgende Methoden bewährt: Unabhängig von den Gangbildanalysen sollte das Pferd zuerst auf Verletzungen, Schwellungen, Wärme, Pulsation, Druckempfindlichkeit und Hufschäden untersucht werden.


Videos zur Blickschulung

Soweit das kleine Einmaleins der Lahmheiten in der Theorie. Die sichere Beurteilung in der Praxis hingegen erfordert Erfahrung und ein geschultes Auge. Die folgenden Beispiele sollen helfen, Bewegungsabläufe besser zu erkennen und den Blick für Lahmheiten zu schärfen. Nutzen Sie auch die Zeitlupen- und Zeitraffereinstellungen bei der Videowiedergabe.


Video 1:
Stützbeinlahmheit, vorne rechts
Gezeigt im Schritt und Trab
auf beiden Händen.
Video 2:
Stützbeinlahmheit, vorne links
Gezeigt im Schritt und Trab
auf beiden Händen.
Video 3:
Hangbeinlahmheit, hinten links

Abschließend eine Bitte:

Die Beschaffung von Videos zum Thema Lahmheiten ist schwierig und weitgehend vom Zufall abhängig. Ich würde mich daher freuen, wenn ich das eine oder andere aussagekräftige Video zur Verfügung gestellt bekäme. Die Urheberrechte werden bei einer Veröffentlichung selbstverständlich gewahrt.